Mittwoch, 23. September 2020

Rezension: Minarett, Roman aus dem Nordsudan

Leila Aboulela  

Minarett 

Das Minarett ist der Turm bei einer Moschee. Der Name geht auf Manara, arabisch für Leuchtturm zurück. Und wie ein Leuchtturm für die Seele steht für Nadschwa das Minarett in London, an dem sie jeden Tag vorbeigeht. Dass sie auch in die Moschee hineingehen könnte, erkennt Nadschwa erst später.

Sie sind schon eine privilegierte, westlich orientierte Familie. Die Mutter ist reich, sie heiratet nach ihrer Scheidung einen Mann, der mehr auf ihr Geld und einen erfolgreichen Posten in der Regierung schaut. Sie haben ein großes Haus, Autos und viele Hausangestellte. Nadschwa und ihr Zwillingsbruder Omar vergnügen sich in Clubs und auf Partys, beide studieren in Khartum mehr oder weniger erfolgreich. In den Ferien reist die Familie nach Europa, in London hat sie ein Appartement. Kurzum, der nordsudanischen Familie geht es sehr gut. Religion schert sie wenig. Während des Ramadan schaut sie mehr auf „die Linie“ und zu viele „Pfunde“ als auf religiöse Pflichten.

Plötzlich ändert sich die Situation im Land. Sudan, jetzt Nordsudan, ist von einem Putsch getroffen und Nadschwas Vater wird Korruption vorgeworfen. Er soll der Mann hinter dem Präsidenten, der „Drahtzieher“ der Regierung gewesen sein. Gerade will er am Abend des Putschs mit seinem Auto aus der Stadt verschwinden, da blockiert ein Auto seine Ausfahrt und er wird abgeholt. Kurz darauf wird er gehängt.

Von einem Tag zum anderen muss die Familie flüchten. Die Mutter reist mit ihren Kindern nach London, wie eine Flucht kommt es ihnen zuerst nicht vor. Dann wird die Mutter sehr krank und stirbt. Omar verstrickt sich in Drogendelikten und muss für lange Zeit ins Gefängnis. Und Nadschwa wundert sich über ihre „neue Freiheit“, in der sich niemand um sie kümmert bzw. es kümmert niemanden, was sie tut und es stört auch niemanden, was sie tut. In einer Millionenstadt wie London bleibt sie anonym, was in Khartum undenkbar gewesen wäre, immer stand sie unter Beobachtung, durch die Hausangestellten, durch Klassenkameraden, durch die Gesellschaft an sich.

Nach und nach verliert Nadschwa ihren Wohlstand und befindet sich plötzlich selbst in der Situation, sich als Hausangestellte ihren Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Sie erinnert sich an die Lage der Diener in ihrem Elternhaus in Khartum und nun ist sie nicht mehr besser als sie. In London lebt auch ihre Tante  und andere Sudaner, mit denen Nadschwa Kontakt hat. Teilweise geht es diesen besser, weil sie nicht so sehr im Rampenlicht standen wie Nadschwas Familie, die sich vor Verfolgungen schützen muss.

In diesem Buch gibt es zwei Handlungsstränge. Zum einen die aktuelle Situation, in der sich Nadschwa in London befindet und zum anderen die Zeit in Khartum ab 1984 und die Erinnerungen daran.

Fazit:

Die Autorin Leila Aboulela beschreibt nachvollziehbar die Gefühle der Menschen, die im Roman agieren. Die Zerrissenheit Nadschwas, die Freiheit ihres Tuns in London, ohne dass jemand Notiz davon nimmt, die Freiheit in Khartum, die sie nur hat, weil sie und ihre Familie zur Oberschicht gehört wird deutlich dargestellt. Auch den anderen Figuren geht es ähnlich. Dadurch erreicht die Autorin, dass man länger über den Inhalt nachdenkt.

Wie oft, wenn sich der alltägliche Trott plötzlich ändert, sich das Schicksal dreht und man nicht mehr aus noch ein weiß, sehnt man sich nach Geborgenheit und wenn diese nicht bei Partnern oder in der Familie gefunden wird, wird die Religion plötzlich wichtig. Dabei ist es egal, ob man Muslim oder Christ ist, das Gefühl ist dasselbe. So ergeht es Nadschwa und bei ihr ist es der Gang  in die Moschee, in anderen Kulturen geht man in die Kirche, aber der Gedanke ist gleich. Am Ende ist es ihr tatsächlich möglich eine Pilgerreise nach Mekka zu unternehmen.

Ein fesselnd geschriebener Schicksalsroman.

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Dienstag, 14. Juli 2020

Rezension: Afrika, in Ketten

Die andere Bibliothek
Rezension

ALBERT  LONDRES

AFRIKA,  IN  KETTEN

Albert Londres (1884 - 1032) sieht sich als „Reporter und nichts als das“.
Umso erschütterter ist er über die Reaktionen, die seine Reportagen über Westafrika in der Zeitung „Le Petit Parisien“ und sein Buch auslösten. 1928 war er vier Monate in den französischen Kolonien unterwegs und jeden Tag wurden seine Berichte auf der Titelseite veröffentlicht.
Er wurde beschimpft als gemeiner Journalist, Verächter Frankreichs, Lügner, Verräter, Zuhälter, Mestize u.a.
Und dies, obwohl er seinen Beruf als investigativer Journalist auf der „Suche nach der Wahrheit“ sieht und nicht „darin, jemanden nach dem Munde zu reden“.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Schwarz und weiß. Die Wahrheit über Afrika besteht aus der Einleitung, 28 Kapitel und einem Epilog, in dem er seine Erkenntnisse zusammenfasst. Der zweite Teil, Hätte Dante das gesehen, beschreibt die Situation in den nordafrikanischen Straflagern.

Die Suche nach der Wahrheit führte Albert Londres 1928 nach Französisch-Westafrika. In Dakar (Senegal) ging er an Lanad und reiste mit dem Zug nach Bamako. Von dort nach Timbuktu, mit dem Schiff auf dem Niger nach Mopti (alle Mali), nach Ouagadougou, Bobo Diolassu (beide heute Burkina Faso), weiter auf neuen, von Westafrikanern gebauten Straßen zur Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) und Dahomey (heute Benin). Mit dem Schiff ging es weiter nach Gabun und Kongo, das später Zaire und heute Republik Kongo heißt.

Im Kongo wollte sich Londres über den Fortschritt des Baus der „Kongo-Ozean-Bahn“ informieren und erlebte eine Tragödie. Die Bahn sollte den Hafen Pointe-Noire mit der Hauptstadt Brazzaville (502 km) verbinden. Bislang mussten Reisende über das belgische Kongo einreisen, (eine „Zumutung“ für Franzosen!) um in den französischen Kongo zu gelangen.

Auf dieser viermonatigen Reise erfuhr er den tatsächlichen Zustand der Kolonie, der in offiziellen Berichten des Kolonialministeriums als „auf das Beste bestellt“ zu optimistisch dargestellt wurde. Obwohl er nicht gegen den Kolonialismus an sich war, deckte Londres die Tatsachen vor Ort auf und bemerkte, dass „wir nur versuchsweise zivilisieren“ und dass die „Schuldigen im Mutterland und nicht in den Kolonien zu suchen seien“.

Auf seinem Weg vom Senegal zum Kongo erlebte und sah Albert Londres die Wirklichkeit des Zustandes der Kolonien und war entsetzt, aufgebracht, erschüttert, entrüstet, wütend.
Bei einer früheren Reise wurde ihm der Ausstieg in Dakar verwehrt, weil dort das Gelbfieber ausgebrochen war. Da diese Nachricht gar nicht in Frankreich ankam, wusste niemand von den vielen Opfern der Krankheit und es wurden keine Medikamente geschickt.
1928 wurde er gleich belehrt als er einen Träger anmieten wollte: „Träger ? … Sie haben wohl den Größenwahn ? Im Senegal sind die Schwarzen keine Träger, sondern Wähler“ !! (Ein Fortschritt)
Das neue Postgebäude war fertig gebaut, aber wo sind die Leute in den Cafés, die alten Terrassen vor den Cafés waren leer oder verschwunden - eine Vorsichtsmaßnahme, man hatte noch Angst vor dem Gelbfieber.

Offiziell war die Sklaverei abgeschafft, aber noch 1928 stand in den Zeitungen, dass England in Sierra Leone 230.000 Sklaven freigelassen hat. Diese Engländer! - doch auch Spanien, Portugal und Belgien hatten noch Sklaven und überhaupt „gab es nichts anderes als Sklaven in den Kolonien“, stellte Londres erschüttert fest. Nur jetzt zahlten sie Steuern, ohne die Frankreich nicht überleben würde (so ähnlich bis heute). Jetzt wurden die Afrikaner als Arbeiter eingesetzt und ausgebeutet für den Straßen-, Kanal- und Eisenbahnbau. Anstatt Maschinen für den Bau einzusetzen (wie es die Engländer machten), die Geld kosteten, wurden lieber Afrikaner geschunden, bis sie tot umfielen - Bananenmotor statt Dieselmotor! Das war billiger, denn an Menschen fehlte es nicht. Wer konnte, rettete sich in die englischen Kolonien, wo es angeblich besser war. („In Afrika dienen alle.“)
Immer wieder zeichnete der Reporter dieses Bild, egal wo er hinkam, die Opfer waren gewaltig.

Das aktuelle Projekt, das Londres selbst sehen wollte und nicht, wie sein Landsmann André Gide nur darüber schrieb, ohne es gesehen zu haben, war der Bau der „Kongo-Ozean-Bahn“, der Tragödie, die den französischen Zeitungsleser die Realität der Kolonien vor Augen führte. „Das große Sterben“ für 502 Kilometer! Aus den kolonisierten Ländereien wurden die Männer zusammengezogen. Sie wurden nicht per Bahn, Lastwagen oder Schiff nach Kongo gebracht, sondern mussten zu Fuß durch die afrikanische Hitze gehen. Von 8000 geforderten Männern kamen nur 1700 an. Um den Verlust zu ersetzen, wurden wieder Leute in den Dörfern rekrutiert, aber die Männer flohen vorher schon. Von den 500 km waren erst 200 km fertig und schon 17.000 Menschen gestorben !!!
Kein Wunder, dass rund 3 Millionen Afrikaner vor den desaströsen Arbeitsmethoden aus den französischen Kolonien flohen.

Ein, bis heute aktuelles Thema, ist das (illegale) Holzfällen in den afrikanischen Regenwäldern. Die Tropenhölzer wurden 1928 von Hand aus dem dichten Wald herausgezogen. “Ich folgte den Schreien und sehe Entsetzliches: Hundert nackte, an einen Baumstamm angeseilte Schwarze versuchen diese fortzuziehen. …. Der Aufseher schlägt den Takt dazu mit seiner Pfeife.“

„Trotzdem wird in der ganzen Welt behauptet, dass es keine Sklavenhändler mehr gibt.“

Albert Londres traf viele Franzosen, die in die Kolonien versetzt wurden und so schnell wie möglich wieder zurück wollten, andere, die Geschäfte aller Art abwickelten und sogar welche, die Westafrika gar nicht mehr verlassen wollten. Auch über sie berichtet er in diesem Buch.

Im Epilog des ersten Teils fasst Albert Londres anschaulich die Methoden Frankreichs zusammen und lässt eine überraschte Leserschaft zurück, die von den kolonialen Machenschaften nichts wusste (oder wissen wollte), denn offiziell wurden die entsetzlichen Dinge, die der Journalist aufdeckte und den rund 2 Millionen Lesern des Petit Parisien täglich auf der ersten Seite präsentierte, unter den Teppich gekehrt und bei offiziellen Besuchen von „Politikern oder bedeutenden Reisenden gutes Essen serviert“  und nichts vom eigentlichen Zustand der Kolonien gezeigt, dessen Verantwortung allein das französische Mutterland trägt.


Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Zustand der Straflager des Militärs in Marokko, Algerien und Tunesien, genannt Biribi.
In diesen Straflagern waren rund 3500 Verurteilte, manche unschuldig, die meisten schuldig. Sie kamen aus dem  afrikanischen Bataillonen, dem französischen Korps, der Rheinarmee, der syrischen Armee und dem chinesischen Regiment. Ihre Vergehen: „Desertion, Waffenverweigerung, mutwillige Beschädigung von Kleidung, Diebstahl, Übergriffe auf Personen, Ungehorsam, Beleidigung von Vorgesetzten.“ Die größte Macht über diese Gefangenen hatten die Unteroffiziere, Feldwebel oder Hauptfeldwebel, die ihre Launen an den Gefangenen ausließen. Albert Londres lässt die Insassen zu Wort kommen und zeigt die Verwahrlosung in den Lagern.

Ein Nachwort haben Irene Albers und Wolfgang Struck geschrieben. Am Ende ist eine Titelseite der Zeitung „Le Petit Parisien“ abgedruckt.

Autor
Albert Londres (1884–1932) war ein französischer Journalist. Im ersten Weltkrieg berichtete er für die Zeitschrift „Le Matin“ als Kriegsberichterstatter, für andere Tageszeitungen und das vielgelesene „Le Petit Journal“, womit seine Bekanntheit zunahm. Bereits 1923 berichtete Londres über den Rassismus in Guyana.  
Von Albert Londres’ Ruhm zeugt in Frankreich bis heute der nach ihm benannte Journalismuspreis, der renommierteste des Landes, der alljährlich für die beste Reportage vergeben wird. In der Anderen Bibliothek erschien von ihm: Ein Reporter und nichts als das (Band 348).

Fazit:
Ein überaus interessantes Buch, das Tatsachen aufdeckt, die wohl in jeder Kolonie üblich waren. Gerade jetzt, wo die Diskussionen über Rassismus und Kolonialismus zunehmen, trägt es zur Information und Aufklärung bei.
Das Thema des Kolonialismus ist so brisant, dass 2005 der damalige Präsident Nicolas Sarkozy versuchte „per Gesetz eine positive Darstellung des französischen Kolonialismus in  Schulbüchern [zu] verordnen.“ Absolut lesenswert.


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Freitag, 1. Mai 2020

Rezension: Roter Staub - Mosambik am Ende der Kolonialzeit

Rezension

Isabela Figueiredo

ROTER  STAUB                  

Dass Kolonien von ihren Besatzern „gut“  behandelt werden, ist von jeher eine Erfindung der Besatzer und trifft auch für Portugal zu.

Isabela Figueiredo lebt mit ihren Eltern in Mosambik. Ihr Vater, ein Elektriker, arbeitet mit seinen mosambikanischen Angestellten („die Neger meines Vaters…“, S.43), die er als „bevorzugter“ Weißer schikaniert und schlecht behandelt. Obwohl die Tochter von klein auf mitbekommt, wie sich ihr Vater verhält, liebt sie ihn und lebt auch später mit dem Zwiespalt. Sie erzählt aus der Sicht eines „unschuldigen“ Kindes und dadurch schildert sie die Tatsachen, die sie sieht und hört vielleicht direkter und nüchterner als ein Erwachsener.  

Diese Zeit bis 1975  ist die Endphase der portugiesischen Kolonisation in Mosambik. Bis zu ihrem 12. Lebensjahr lebt Isabela Figueiredo in Lourenço Marques, den neuen Namen der Hauptstadt Maputo bringt sie nur schwer über die Lippen.

Ein typischer Absatz für das Denken der Weißen im Allgemeinen und hier der Portugiesen ist beispielgebend zitiert: „Ein Weißer und ein Neger zählen nicht nur zu verschiedenen Rassen. Die Entfernung zwischen Weißen und Negern glich der, die zwischen verschiedenen Spezies besteht. Sie waren Neger, Tiere. Wir waren Weiße, also Menschen, rationale Wesen….“

„Manjacaze, komm mal nach oben, wir haben etwas für dich. Vielen Dank, Senhora. Stets ein gutes Wort. Manjacaze half mir, an die menschliche Spezies zu glauben, an Menschen, die trotz ihrer Demütigung innerhalb der Hierarchie ihre Würde hochhielten und sie als unsichtbaren, geheiligten Besitz betrachteten.“ (S. 41) Dies ist ein weiteres Beispiel für die Beobachtungen, die Isabela rückwirkend feststellen musste - die Würde hochhalten.

Isabela sah immer mehr die Ungerechtigkeiten, die Ausbeutung der Mosambikaner, die Bereicherung und Bevormundung durch die Portugiesen und mit der Zeit hatte sie Mitleid. Sie bemerkte als Kind die Ungerechtigkeiten und stellte sich auf die Seite der unschuldigen Benachteiligten. „Ich mochte keine Ringe. Die Neger hatten doch auch keine.“ (S. 47)

Sie beschreibt Stereotype, die leider in Europa bis heute das Bild von Afrikanern verzerren. Zum Beispiel als sie ihren Vater begleitet, der einen Arbeiter sucht, zur Rede stellt, verprügelt und vor seiner Familie erniedrigt, und dann als „großzügiger, guter Weißer“ der Ehefrau Geld zusteckt, damit sie ihren Kindern etwas zu essen geben kann, (weil ihr Ehemann es ja nicht kann). (S. 53) Erschüttert erkennt Isabela ihren Vater nicht mehr wieder, „dieser Mann ist nicht mein Vater“ (S. 56). Auf der anderen Seite beschreibt sie den liebevollen Vater, der mit ihr spazieren geht und ein weißes Hemd trägt.

Isabelas Vater beauftragte sie in Portugal von dem zu erzählen, was seiner Meinung nach „die Neger den Weißen antun“, aber sie tat es nicht. Sie schrieb dieses Buch.

Fazit
Der Anfang des Buches ist etwas derb dargestellt, vor allem, wenn das Geschriebene von einem Kind gedacht werden soll. Hat man sich durch diese Seiten durchgearbeitet, versteht man den Anfang besser. Mittelpunkt des Geschehens ist der Vater. „Er lebte gern, hatte vor nichts Angst. Mit ihm war alles möglich.“ Der Vater ist das Vorbild bis zu einem gewissen Punkt. Allmählich begreift die Tochter das Verhalten des Vaters und beginnt dieses Verhalten zu hinterfragen.
Als Isabela Figueiredo Mosambik verlässt war dies die letzte Gelegenheit vor dem endgültigen Ende der portugiesischen Kolonialzeit. Die Eltern kommen erst zehn Jahre später nach. Aber dieser Teil ist nicht mehr Gegenstand des Buches.
Ein bemerkenswerter und viel beachteter Bericht, der bereits in der 9. Auflage erschienen ist.

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Montag, 13. April 2020

Rezension: Afrika, Der lachende Kontinent

Terra Mater
Rezension

BERND  DÖRRIES

DER  LACHENDE  KONTINENT


Der Journalist Bernd Dörries arbeitet für die Süddeutsche Zeitung von Kapstadt aus. Er berichtet seit drei Jahren über Länder südlich der Sahara und erzählt in diesem Buch über seine Reisen in 34 Länder Afrikas südlich der Sahara. Das bedeutet, dass seine Beiträge aktuell sind und die Ereignisse in der jetzigen Zeit stattfinden. Eine Portion Humor fehlt nicht in diesem persönlichen Rahmen der Berichterstattung. Und, was ganz wichtig ist, das Geschriebene hebt sich erfrischend von den vielen anderen Büchern über Afrika ab, in denen es nur um die Darstellung von negativen Schlagwörtern geht, die ständig wiederholt werden.

Der Inhalt ist nicht chronologisch gegliedert sondern die Berichte richten sich nach dem Länder-Alphabet, beginnend mit Angola und endend mit Uganda. Die Beträge sind unterschiedlich lang. Für eine bessere Übersicht ist jedem Kapitel eine Afrikakarte mit der Lage des jeweiligen Landes vorangestellt.

Auf der ersten Seite eines Kapitels steht neben dem Kartenausschnitt eine kurze Übersicht des Landes, was dem Autor wichtig ist, wie zum Beispiel die Anzahl der chinesischen Restaurants, die für ihn die Aktivität Chinas „in dem jeweiligen Staat“ aufzeigt. Das sind unter anderem 1 chinesisches Restaurant in Eritrea (39 Millionen Einwohner), 3 in Äquatorialguinea (1 Mio. Einw.) (und wer kennt schon Äquatorialguinea in Deutschland), mehr als 20 in Uganda (39 Mio. Einw.), 130 auf Mauritius (1 Mio. Einw.), mehrere Hundert in Südafrika (58 Mio. Einw.) „zu viele, um sie zu zählen“ in Nigeria (194 Mio. Einw.) und „ein ganzes chinesisches Viertel in dem chinesische Arbeiter wohnen“ im Sudan (42 Mio. Einw.) und das genau in den Ländern, die sehr viele Bodenschätze und andere Reichtümer besitzen und die chinesischen Begehrlichkeiten und Interessen widerspiegeln.
Interessant für Bernd Dörries sind auch die köstlichen Nationalgerichte und „was man gesehen haben sollte“.

Ein besonders spannender Punkt ist der, „worüber das Land gerade redet“, also was den Bewohnern wichtig ist: Das wäre zum Beispiel in Botswana die Frage, ob bald wieder Elefanten gejagt werden dürfen, ob der „neue Präsident in der DR Kongo, Felix Tshisehedi auch einen Wandel  bringt“, ob in Gabun der Präsident Ali Bongo noch lebt oder durch einen Doppelgänger ersetzt wurde, Uganda überlegt, ob der nächste Präsident der bekannte Rapper Bobiwine wird und Sambia fragt sich, ob es bald von China regiert wird. In Namibia fragen sich die Herero und Nama, wann „sich Deutschland offiziell für die Verbrechen der Vergangenheit entschuldigt.“
In Mali reden die Leute über die Islamisten, die sie „loswerden wollen“, The Gambia, die Republik Kongo und Mosambik hoffen auf neue Brücken. Togo, Kenia und Ghana reden über Fußball, Liberia und die Elfenbeinküste rätseln, ob Fußballer Präsidenten werden können und in Eritrea fragt man sich, wann es endlich schnelleres Internet gibt, also viele Fragen, die sich auch Deutsche stellen.

In Benin trifft Bernd Dörries seinen afrikanischen Freund aus der gemeinsamen Zeit im Kindergarten wieder. In Ghana besucht er Sammy Kuffour, der lange bei Bayern München gespielt hat und nach Accra zurückgekehrt ist. So ganz glücklich scheint er nicht zu sein. In Malawi ruft ihm ein Mann „Bielefeld, Bielefeld“ zu, auf die Frage wohin die Zierfische des Malawi-Sees exportiert werden. Und auch in Malawi stehen die Leute freiwillig Schlange für eine Masern-Impfung und lachen laut, als der Autor von impfmüden Deutschen erzählt. Malawi hat 2010 genügend traurige Erfahrung machen müssen, als fast Übernacht 120.000 Menschen an Masern erkrankten und 300 Tote zu beklagen waren.

In Botswana ist die Krankenversicherung gratis, Simbabwe hat Afrikas beste Wasserballmannschaften und Nigeria die weltbesten Scrabble-Spieler. So erfahren wir viel Neues, Alltägliches und erkennen, dass Afrikaner gar nicht so anders sind als wir und dass sie gern lachen. Allerdings bemerkt der Autor erst spät, dass die Äthiopier ihn auslachen, als er über die alte „Pferderennbahn“ schleicht, weil ihm bei 2700 Höhenmeter die Luft schneller ausgeht als den Äthiopiern, die trainieren und sich durch das Laufen ein besseres Leben erhoffen.

Und es gibt noch mehr Bemerkenswertes zu entdecken…

Fazit
Bernd Dörries schildert seine Erfahrungen und Erlebnisse als Journalist, der von Südafrika aus in weitere afrikanische Länder reist. Die Beiträge sind Momentaufnahmen, Begegnungen und Ereignisse, die passiert sind, als er in diesem Augenblick vor Ort war. In den meisten Berichten werden aktuelle, politische und geschichtliche Ereignisse nebeneinander beschrieben.
Man sollte seine Berichte nicht verallgemeinern. Einige Tage später könnten andere Situationen andere Berichte hervorbringen. Zum Verständnis dieses Buches ist dies wichtig zu wissen.
Ein sehr empfehlenswertes Buch, spannend mit Gefühl und Humor aus der persönlichen Sicht geschrieben, lehrreich, aktuell und informativ. Unbedingt lesenswert!




Montag, 6. April 2020

Afrika - Im Blick der Fotografen


Völklinger Hütte
Ausstellung:  Afrika - im Blick der Fotografen

Vom 3. April bis 1. November 2020

Wir kennen Berlin, Paris, London und vielleicht auch New York. Aber was wissen wir über Nairobi, Casablanca oder Kinshasa? Die Ausstellung "Afrika – Im Blick der Fotografen" im Weltkulturerbe Völklinger Hütte haben wir eingerichtet und werden sie nach Ende der Schutzmaßnahmen zur Korona-Pandemie zeigen.

Die Fotografien zeigen einen Blick auf Afrika jenseits von Stereotypen. Die Fotoarbeiten sind eine interne Perspektive und ein künstlerischer Blick afrikanischer Künstler auf ihre Heimatregionen. Sie erzählen vom Alltag in den Städten, von Industrie, den Spuren der Vergangenheit und von Pop-Kultur.

Es werden folgende Fotografen vorgestellt:

Omar Victor Diop,  geb. 1980 Dakar, Senegal                       www.omarviktor.com 
Ilan Godfrey,  geb. 1980 Johannesburg, Südafrika                 www.ilangodfrey.com
Osborne Macharia,   geb. 1986 Nairobi, Kenia                      www.k63.studio
Alice Mann,   geb. 1991 in Kapstadt, Südafrika                      www.alicemann.co.za 
Fabrice Monteiro,  geb. 1972 Namur, Belgien (Benin)         www.fabricemonteiro.viewbook.com    
Kibuuka Mukisa Oscar,  geb. 1992 Kampala, Uganda          www.kibuukamukisa.com
Léonard Pongo,   geb. 1988 Lüttich, Belgien  (DR Kongo)    www.lpongo.com
Fethi Sahraoui,   geb. 1993 Hassi R‘Mel, Algerien                 www.collective220.net/fethisahraoui
Yoriyas,   geb. 1984 Khouribga, Marokko                                www.yoriyas.com

Die Ausstellung bietet so im Weltkulturerbe Völklinger Hütte den künstlerischen Positionen afrikanischer Künstler ein Forum und ermöglicht den Besuchern so einen facettenreichen und vielleicht auch überraschenden Blick auf die afrikanische Kultur. Manche der Fotografen haben ihre Arbeiten schon auf bedeutenden Ausstellungen gezeigt, andere präsentieren ihre Werke erstmals in Deutschland.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller. (Quelle: Völklinger Hütte)


Afrika - im Blick der Fotografen

Ausstellung:  03.04. -  01.11.2020
Geöffnet:       10:00  - 19:00 Uhr

Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur
66302 Völklingen / Saarbrücken

Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 17 Uhr
Tel. 06898 9100100


Ausstellungskatalog
Katalogbuch, hrsg. von Frank Krämer
Mit Photographien von • Omar Victor Diop • Ilan Godfrey • Osborne Macharia • Alice Mann • Fabrice Monteiro • Kibuuka Mukisa Oscar • Léonard Pongo • Fethi Sahraoui • Yoriyas  und mit Beiträgen von Frank Krämer, John Fleetwood und Sean O’Toole

104 Seiten, vierfarbig,
Euro 19,90 inkl. MwSt. zuzügl. Versandkosten
Edition Völklinger Hütte in der Edition Cantz

Aufgrund der Korona-Pandemie kann es zu Lieferverzögerungen kommen.

Freitag, 14. Februar 2020

Algerien - Vortrag

 Algerien:  Abwechslungsreiche Landschaften und Kulturen  

B.Agada, Hammam Debagh
Das größte Land Afrikas bietet eine Vielfalt an landschaftlichen Schönheiten, vom Mittelmeer bis tief in die Sahara. Erste Spuren menschlicher Existenz lassen sich auf heutigem algerischem Gebiet ebenso nachweisen wie neolithische.
Von Phöniziern, Römern, Byzantinern, Arabern, Osmanen und Franzosen zeugen Ruinen, Sehenswürdigkeiten oder Kolonialarchitektur. Die Urbevölkerung, die Imazighren (Berber), interessiert uns am meisten.



Birgit Agada, Erlangen
Lichtbildvortrag
Am 4. März 2020 um 19.30 Uhr
Nürnberg, Am Katharinenkloster 6
Katharinensaal

Weitere Informationen:
Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg e.V.
Norishalle
Marientorgraben 8
90402 Nürnberg
www.NHG-Nuernberg.de

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Odo und die schwarze Puppe

Gratitude Verlag
Neu

DAYAN  KODUA

ODO  UND  DIE  SCHWARZE  PUPPE

Die sechsjährige Odo lebt in Ghana. Als sie eines Tages bei der Geburtstagsfeier ihrer Freundin eine schwarze Puppe sieht, ist sie begeistert und kann an nichts anderes mehr denken. Für die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches schlägt sie einen beschwerlichen und lehrreichen Weg ein. Odo lernt dabei, an sich und ihre Träume zu glauben.
Junge Leser erfahren nicht nur Spannendes über das Leben in Afrika (Ghana), sondern auch, dankbar zu sein für das, was sie besitzen. Vor allem aber will Dayan Kodua Kinder unterschiedlichster Herkunft inspirieren, ihrem Herzen zu folgen und sich etwas zu trauen – auch gegen Widerstände.

Die Geschichte von Odo trägt autobiographische Züge: Auch Dayan Kodua ist in Ghana geboren und begibt sich auf einen herausfordernden Weg. Mit elf kommt sie nach Deutschland, nach Kiel, und muss sich in einer fremden Kultur zurechtfinden.

Veränderung beginnt bei jedem von uns und hat bei jungen Menschen und Kindern eine besondere Kraft. Darauf setzt Dayan Kodua. Und auf die verbindende Energie von packenden Geschichten. „Mein erstes Publikum sind meine Jungs. Sie lieben die Geschichte von Odo und fiebern auf ihrem Weg mit ihr mit.“ Dieses gemeinschaftliche Erleben wünscht sie sich auch für ihre großen und kleinen Leser.

Dayan Kodua - Deutschmann Kommunikation
Dayan Kodua ist ein wahres Multitalent: Sie ist Schauspielerin, Model, engagierte Aktivistin, Autorin und nicht zuletzt Mutter zweier Söhne. Nun hat sie mit „Odo“ ihr erstes Kinderbuch geschrieben. Mit der zauberhaften Geschichte des kleinen Mädchens Odo will sie ihr Herzensthema in deutsche Kinderzimmer bringen: mehr Vielfalt.

„Hätte ich auf all die klugen Ratschläge gehört, was für mich als junge Frau und besonders als schwarze Frau nicht geht und nicht möglich ist und was ich am besten von vorneherein lassen sollte, stünde ich heute nicht hier“, erzählt Dayan mit ihrem ansteckenden Lachen. 
Sie wäre wohl nie die erste schwarze Miss Schleswig-Holstein geworden, wäre nicht als Model nach Hollywood gegangen, wo sie in großen Filmproduktionen spielte, wäre nicht Schauspielerin geworden und hätte nicht in Erfolgsformaten von „Tatort“ über „Der Dicke“ bis „Phönixsee“ mitgewirkt.

Doch die junge Frau hat den Erfolg nicht einfach als persönliche Leistung verbucht, sondern als Ansporn genommen, etwas zu verändern. Als Initiatorin des Bildbandes „My Black Skin“ versammelt sie die Erfolgsgeschichten Deutscher mit schwarzer Hautfarbe – vom jüngsten Busfahrer über den farbigen Tagesschausprecher bis hin zu Anwälten und Künstlern.

Engagiert setzt sie sich gegen die stereotype Festschreibung in Klischeerollen ein, vor der Kamera und im realen Leben. „Wir alle brauchen Vorbilder und ich stehe dafür ein, mehr als die Farbe meiner Haut zu sein“, so die engagierte Powerfrau.

Co-Autor ist Jando, der „Kultgeschichtenschreiber“, zauberhaft illustriert wurde die Geschichte von Robby Krüger.

Dayan Kodua
Odo und die schwarze Puppe   
Hardcover gebunden
illustriert
40 Seiten
Nur Euro 14,95 inkl. MwSt.   Buch kaufen

Von jedem verkauften Buch geht 1,00 Euro an LICHT FÜR DIE WELT.

Montag, 23. Dezember 2019

Algerien: Demokratiebewegung verliert Widersacher


Algeriens Demokratiebewegung verliert ihren größten Gegenspieler
General Ahmed Gaid Salah stirbt an Herzversagen

23. Dezember 2019
Nach dem plötzlichen Tod des mächtigen Armeechefs General Ahmed Gaid Salah stehe Algerien am Scheideweg, warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker. "Algeriens Demokratiebewegung wird durch den Tod ihres größten Widersachers gestärkt. Es ist an der Zeit, dass sich Europa endlich intensiver mit der Zukunft Algeriens beschäftigt und Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit mehr fördert. Zu lange hat die Europäischen Union (EU) darauf gesetzt, dass der mächtige Armeechef demokratischen Wandel im Land verhindert", erklärte der GFBV-Direktor Ulrich Delius am Montag in Göttingen.

General Ahmed Gaid Salah ist heute im Alter von 79 Jahren an Herzversagen gestorben.
Mit massiven Interventionen der Sicherheitskräfte und der systematischen Blockade des Zugangs von Protestierenden zur Hauptstadt Algier wurde er in den letzten Monaten zum Feindbild der Demokratiebewegung, die vor allem von jungen Menschen getragen wird.
Als der Druck der Straße zu groß wurde, erzwang er im April 2019 den Rücktritt des schwerkranken 82jährigen Staatspräsidenten Abdelaziz Bouteflika, dem er jahrelang treu ergeben war.

"Das Schicksal des größten Flächenstaates Afrikas kann Europa nicht gleichgültig sein", warnte Delius. Wenn im Nachbarland Libyen ein neuer Krieg mit internationaler Beteiligung drohe, dürfe Europa die tiefgreifenden Veränderungen in Algerien nicht länger ignorieren.
Denn Algeriens junge Bevölkerung wolle nach Jahrzehnten des Stillstands endlich Veränderung und ein Ende der Misswirtschaft der alten Machtelite.  

Bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung hatte der General ein hartes Vorgehen gegen Demonstrantinnen und Demonstranten eingefordert, die Fahnen der indigenen Masiren (Berber) öffentlich zeigten. Obwohl die Sprache der Masiren offiziell anerkannt ist, ließ der General Angehörige der Minderheit kriminalisieren und als "Staatsfeinde" anklagen.

International ließ sich Gaid Salah für sein Engagement gegen die weit verbreitete Korruption feiern. So ließ er führende Repräsentanten des Machtzirkels um Staatspräsident Bouteflika vor Gericht stellen, um den Zorn der Bevölkerung auf die Verantwortlichen für die verbreitete Misswirtschaft zu kanalisieren und einzudämmen. "Tatsächlich wurden mit dieser Kampagne gegen Korruption aber vor allem alte Rechnungen innerhalb der Machteilte beglichen, statt wirksam Korruption zu bekämpfen", erklärte Delius. So kritisierte die Demokratiebewegung zurecht, der General sei jahrzehntelang ein Teil dieses Korruptionssystems gewesen, das er nun vorgebe zu bekämpfen.   


Gesellschaft für bedrohte Völker
Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel. 0160/95671403

Weitere Informationen: www.gfbv.de

Sonntag, 18. August 2019

Kinostart in Erlangen: Congo Calling

Jip Film

Jip film & verleih GbR möchte Sie auf den Film Congo Calling aufmerksam machen, der

ab 25.08.2019 in  ERLANGEN  im Kino  Lamm Lichtspiele  gezeigt wird.

Congo Calling ist ein Film, der die entwicklungsbezogene Zusammenarbeit thematisiert. Er bietet Möglichkeiten für Begegnungen und Diskussionen, die im Zusammenhang mit Entwicklungshilfe und -politik, Globalisierung und Afrika und darüber hinaus bestehen.

CONGO CALLING Trailerhttps://vimeo.com/337536994

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo ist eine der ärmsten und unsichersten Regionen der Welt. Hunderte von westlichen Entwicklungshelfern sind vor Ort und wollen die Bevölkerung unterstützen. Unter ihnen Raul, Peter und Anne-Laure. Sie sind hochmotiviert und voller Visionen, doch ihre Situation wirft für sie grundsätzliche Fragen auf. 
Raul, ein spanisch-französischer Wissenschaftler, muss feststellen, dass er seine Kollegen mit den Projektgeldern zur Korruption verführt und seine Studie über die Rebellengruppen deshalb zu scheitern droht. 
Peter, ein deutscher Entwicklungshelfer, wird nach 30 Berufsjahren in Rente geschickt, sieht aber außerhalb Afrikas keine Perspektiven für sich. 
Die Belgierin Anne-Laure hat ihre Stelle als Entwicklungshelferin aufgegeben. Sie arbeitet nun für ein kongolesisches Musikfestival und kämpft mit ihrem regimekritischen Freund und anderen Einheimischen für eine bessere Zukunft. 

Drei persönliche Perspektiven auf das Zusammenleben und die Zusammenarbeiten zwischen Europa und Afrika – und die Frage: Wie hilfreich ist die Hilfe des Westens?

Der Film hat den FFF Förderpreis auf dem DOK.fest München gewonnen. 
Die Jury sagt:  
"Zurückhaltend und dabei doch mit großer Nähe erzählt Stephan Hilperts CONGO CALLING vom Dilemma europäischer Entwicklungshilfe und ihrem Scheitern, im Großen wie auch im Kleinen. Dass dieser filmische Spagat gelingt, ist nicht zuletzt der unaufdringlichen und gleichzeitig präzisen Kamera zu verdanken, die den Zuschauer mit nimmt auf eine Reise in das politisch unruhige Herz Afrikas."

In Kooperation mit Brot für die Welt.

Weitere Termine auf: https://jip-film.de

CONGO  CALLING

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Donnerstag, 14. März 2019

Rezension Im Schatten des Löwen

DuMont
Wolf-Ulrich Cropp 

Im Schatten des Löwen              


Wolf-Ulrich Cropp reist seit langem in afrikanische Länder und dieses Mal beginnt seine Reise mit einem unangenehmen Erlebnis in Simbabwe - er wird verhaftet. Er hat bei den Ruinen von Groß-Simbabwe übernachtet. Nur mit einem Deal und vorgetragenen Witzen kann er sich aus der brenzligen Situation herauswinden.
In Harare, der Hauptstadt, trifft er einen freundlichen Händler, der ihn den „Heldenacker“ zeigt, die „pompöse Gedenkstätte“ der Helden des ehemaligen Rhodesien. Während der Händler vom Wallfahrtsort, der am Nationalfeiertag Tausende Menschen anzieht, schwärmt, denkt der Autor über die Geschichte des Landes nach. Der lange und anstrengende Spaziergang endet in einer Musikkneipe bei Afro-Jazz und Bier.

Am Stausee bei den Victoria-Fällen, dem „größten Stausee, der von Menschen“ gebaut wurde, trifft Wolf-Ulrich Cropp auf die Tonga, die von ihrem Land vertrieben wurden als der Sambesi-Fluss gestaut wurde. Sie waren Fischer und trieben ein wenig Landwirtschaft - damals ging es ihnen noch gut. Heute sind sie arbeitslos und hungrig. Währen der Bauarbeiten passierten mehrere Unfälle und nach dem Bauende 1959 kam es zu Erdbeben. Die Tongo wissen warum…

Nach Ausflügen an die Wasserfälle und einer rasanten Wildwasserfahrt auf dem Sambesi mit Begegnungen mit Flusspferden, Krokodilen und anderen Reisenden, fährt Wolf-Ulrich Cropp mit dem Engländer James nach Botswana. Auch James hat viele Erfahrungen im südlichen Afrika gesammelt und einige Geschichten auf Lager. Von Maun starten die beiden mit weiteren Abenteurern in das tierreiche Okavango-Delta. Doch hier erwarten die kleine Reisegruppe nicht nur Fischadler, Flamingos, Nilkrokodile und Hippos sondern auch eine Romanze. „Flusssafaris sind wie Beziehungen zu Frauen: ein Spiel aus Nähe und Distanz“ kommentiert James die Situation.

Die Begegnung mit den San der Kalahari, der Urbevölkerung Afrikas, schildert der Autor beeindruckend und bedrückend. Jahrtausende lang zogen die San als Jäger und Sammler durch das südliche Afrika. Heute will sie niemand mehr haben. Ungeachtet ihres Wissens über die Natur und das Tierverhalten leben sie in den Slums der Städte. Nur wenige San können etwas vom Tourismus profitieren, wie die San in den Tsodillo Hills in Botswana, die hier Felsmalereien hinterließen.  

In Namibia startet Wolf-Ulrich Cropp von Windhoek aus in verschiedene Richtungen. Seine abenteuerliche Reise führt ihn u.a. zu den Diamanten, die Naukluft Berge, in die Namib, an die Skelettküste und den Fish River Canyon. Er begegnet Namas, Hereros, Ovahimba und der deutschen Kolonialgeschichte. Als junger Mann packte ihn 1962 das Diamantenfieber, an das er sich in einem Kapitel zurückerinnert. Heute ist er wieder in der Diamantenregion und der Leser erfährt Interessantes über den Abbau und die Menschen, wie die Bankiersfamilie Oppenheimer, den südafrikanischen Konzern de Beers, Diamanten-Schmuggler, die alle mit dem Diamantenhandel zu tun haben.
Er besucht den sterilen Ort Arandis mit der größten Uran Tagebau Mine der Welt, die zwar Geld ins Land bringt, aber die Arbeiter „bis in die Privatsphäre“ überwacht.
In Swakopmund werden Erinnerungen wach durch die Begegnung mit einer Freundin seiner Frau, die sich mit ihrem Mann in Namibia niederließ und eine Farm kaufte.

Immer wieder trifft  Wolf-Ulrich Cropp auf Suren deutscher Siedler und späterer Aussteiger, die ihm ihr Schicksal anschaulich erzählen. Im Kuiseb-Canyon versteckten sich zwei Geologen vor dem zweiten Weltkrieg und Henno Martin veröffentliche später das Buch: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste (2008).
Natürlich darf ein Besuch bei den Dünen in Sossusfly nicht fehlen und die anschließende Wanderung durch den Fish-River-Canyon endet in einem unerwarteten Abenteuer….

Autor:
Wolf-Ulrich Cropp wurde 1941 in Hamburg geboren. Als Manager im In- und Ausland lernte er alle Kontinente kennen. Seit 1997 widmet er sich ganz dem Reisen und Schreiben. Er fuhr Tausende Kilometer durch Alaska, wanderte durch den Dschungel West- und Zentralafrikas und segelte mit einer Dhau von der Ostküste Afrikas nach Sansibar. Zuletzt erschien von ihm das Reiseabenteuer „Wie ich die Prinzessin von Sansibar suchte“.  


Fazit:
Über 220 Seiten widmet sich der Autor Namibia, 109 Seiten hat er für Botswana reserviert und fast 80 Seiten für Zimbabwe. Seine Rückblicke in die Geschichte der Länder und seine eigene runden die Erlebnisse von heute ab. Er erzählt interessant und spannend und lässt auch seine abwechselnden Mitreisenden zu Wort kommen, die ebenfalls ihre Erfahrungen schildern, so wie die verschiedenen Guides, Fährtenleser, Taxifahrer, Einbaum-Lenker und viele andere freundliche Afrikaner, denen er in den drei Ländern begegnet.
Ein Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt fehlt ebenso wenig wie die Beschreibung der atemberaubenden Natur.

Eine Empfehlung für alle interessierten Leser und eine gute Vorbereitung für eigene Reisen nach Zimbabwe, Botswana und Namibia.