Donnerstag, 7. Januar 2010

Die Tänze des Maghreb Marokko – Algerien – Tunesien Buchtipp

 Dieses Sachbuch der französischen Ethnologin Viviane Lièvre gibt einen Einblick in ein Thema, das selten Eingang in Reiseführer oder Geschichtsbücher findet, obwohl es zum gesellschaftlichen Leben dazugehört.
So unterschiedlich die Länder des Maghreb sein können, so verschieden sind die Gruppen und Tänzer, die diese Tänze ausführen.

Nach einem allgemeinen Überblick geht die Ethnologin Viviane Lièvre alphabetisch vor und beschreibt einzelne Instrumente und Tanzstile und ihre Gruppen aus den verschiedenen Regionen der Länder....
Bildquelle: Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main
Während die adeligen Tuareg in der algerischen Sahara fast gar nicht oder nur selten tanzen, so waren früher die Tänzerinnen der Ouled Nail aus der Region um Bou Saada und Djelfa für ihre erotischen Tanzkünste im ganzen Land bekannt.

Immer öfter seht man auch im Fernsehen die Gnaoua. In Essaouira an der atlantischen Küste Marokkos wird alljährlich zum Gnaoua- Musikfestival im Juni eingeladen. Auch in Westalgerien um Oran und Tlemcen sind Gnaoua – Tänze und Gesänge bekannt. Gnaua kamen aus Mali oder Senegal auf den Gold- und Sklavenrouten nach Marokko. Mit ihren Metallkastagnietten und der dreisaitigen Gitarre (Gumbri), die gleichzeitig zum Trommeln benutzt wird, begleiten sie die Gesänge der Tänzer.
Kaum jemand mag sich beim Walzertanz daran erinnern, dass auch dieser Tanz vom arabisch-berberischen Al Andalous im Mittelalter nach Europa mitgebracht wurde.


Kapitelbeschreibung
Die einzelnen Kapitel beschreiben den Unterschied der Tänze und Musik zwischen Stadt und Land, geben Eindrücke der Tanzformen der religiösen Bruderschaften wieder, beschreiben die weitere Entwicklung der Musik- und Tanzstile bis zur Moderne, die durch den algerischen Rai auch in Deutschland bekannt wurden. Das fünfte Kapitel stellt Marrakesch als eine Stadt vor, in der man jeden Tag tanzen könnte.

Der lexikalische Teil geht auf die einzelnen Tänze speziell ein, beschreibt, wie getanzt wird, die Aufstellung der Tänzer oder Tänzerinnen und welche Musikinstrumente dazu verwendet werden, die wiederum auch einzeln beschrieben werden. Die Beschreibungen stellen die Tanzstile und Tänze vor, sind aber keine „Gebrauchsanleitung“.

Die von der Übersetzerin erweiterte und aktualisierte Literatur zum Thema Tanz und Musik im Maghreb zeigt die Überlegenheit der französischen Quellen (30) gegenüber 5 deutschsprachiger und 5 englischsprachiger Quellen, die sich mit dem Thema intensiver auseinander setzen.

Die Beiträge zum Thema Bauchtanz als Orientalischer Tanz sind in diesem Buch deplaziert oder könnten eventuell als Ergänzung am Ende Eingang finden. Es scheint als ob sich die Übersetzerin hier selbst in Szene setzen möchte, um für ihre eigenen Aktivitäten (Bild S. 148) zu werben. Sie selbst schreibt, dass der heute bekannte Bauchtanz im Maghreb eher eine untergeordnete Rolle spielt. Ihre eigenen Beiträge weichen vom Inhalt des eigentlichen, sehr interessanten Themas der Ethnologin ab.

Die französische Ethnologin Vivian Lièvre bereiste während ihrer Feldforschung die Länder des Maghreb, besonders Süd-Tunesien. Mit diesem Buch will sie den Kulturaustausch durch umfassende und verläßliche Informationen fördern. Insgesamt werden 45 Tänze und 16 Musikinstrumente beschrieben.

Resümee
Insgesamt ein interessantes Buch für diejenigen, die die Länder des Maghreb bereisen und während eines Festivals oder einer privaten Feier Gelegenheit haben die Tänze und Musikinstrumente näher kennen zu lernen. Die Beschreibungen der Tänze sind reich bebildert und gehen auf die Hintergründe ein, die Vorstellung der Musikinstrumente werden mit dazugehörigen Zeichnungen hervorgehoben.

Das Buch, die Tänze des Maghreb, Marokko – Algerien – Tunesien, ist im Verlag Otto Lambeck, 2008 erschienen. Es enthält 206 Seiten und zahlreiche Abbildungen.
Kartoniert, ISBN 978-3-87476-563-3
Preis: Euro 16,-

Bildquelle: Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main, http://www.lembeck.de/