Montag, 12. November 2012

Übergriffe auf Christinnen in Ägypten

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor einer Einschränkung von Frauenrechten in Ägypten. „Radikal-islamische Salafisten drängen auf eine stärkere Islamisierung der ägyptischen Gesellschaft“, berichtete der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Montag in Göttingen. „Sie schaffen damit ein frauenfeindliches Klima, unter dem vor allem Koptinnen leiden.“ In den vergangenen Tagen war es zu mehreren Übergriffen auf unverschleierte Christinnen in Kairo gekommen. Dort haben am Sonntag in der U-Bahn zwei verschleierte Frauen einer 28 Jahre alten Koptin gewaltsam die langen Haare abgeschnitten. Einem 13-Jährigen koptischen Mädchen waren bereits am vergangenen Mittwoch ebenfalls in der U-Bahn von einer verschleierten Frau die Haare abgetrennt worden. Auch eine koptische Schülerin der fünften Klasse des Saray el Koba-Gymnasiums in Kairo wurde in der vergangenen Woche Opfer eines ähnlichen Übergriffs.

Übergriffe auf Christinnen beunruhigen Menschenrechtler

„Wir sind sehr besorgt über die zunehmende Zahl von Übergriffen auf Christinnen. Dies sind nicht nur massive Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht und Körperverletzungen, sondern auch alarmierende Verletzungen der Glaubensfreiheit religiöser Minderheiten“, erklärte Delius. Zwar sei eine Lehrerin in Luxor (Ober-Ägypten) im Oktober von einem Gericht zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil sie zwei zwölf Jahre alten Mädchen, die sich weigerten ihren Kopf zu verschleiern, gegen ihren Willen die Haare geschnitten hatte. Doch so ein Hassverbrechen nur mit milden Strafen zu belegen, reiche bei weitem nicht aus. „Ägyptens Christen warten auf ein deutliches Signal von Staatspräsident Mohamed Morsi, den wachsenden Einfluss radikal-islamischer Salafisten im öffentlichen Leben einzudämmen. Übergriffe auf unverschleierte Schülerinnen und junge Frauen müssen mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden, damit Angehörige religiöser Minderheiten nicht um ihre Sicherheit fürchten müssen.“ Morsi müsse sich in einer öffentlichen Erklärung zu einem multireligiösen Staat bekennen und so die Angehörigen der religiösen Minderheiten in Schutz nehmen.

Staatspräsident Morsi gibt Druck der Salafisten nach

Leider habe der Staatspräsident in den vergangenen Monaten dem wachsenden Druck der Salafisten jedoch immer mehr nachgegeben. So hatte er vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten im Juni 2012 zwar angekündigt, eine Frau und einen Kopten zu Vizepräsidenten zu ernennen, sein Versprechen dann jedoch nicht eingehalten. Erst am vergangenen Freitag hatten zehntausende Salafisten auf dem Tahrir-Platz in Kairo für die Einführung der Scharia als einzige Grundlage der Gesetzgebung in der neuen Verfassung demonstriert. Liberale Muslime und Kopten warnen vor einer Einführung der Scharia-Prinzipien, da dies zu einem Exodus von Christen und moderaten Muslimen aus Ägypten führen würde.

weitere Informationen gibt die Gesellschaft für bedrohte Völker 
Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel. 0160 95 67 14 03.



Hunger darf nicht als Kriegswaffe eingesetzt werden

Sudan verweigert Hilfe für Zivilisten in Kriegsgebiet -- Weltsicherheitsrat muss Sanktionen androhen
 Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Regierung des Sudan Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der umkämpften Region Süd-Kordofan vorgeworfen. "Wer Hunger als Kriegswaffe einsetzt und systematisch seit fast anderthalb Jahren die humanitäre Versorgung von rund 400.000 Zivilisten in den von der Freiheitsbewegung SPLM-North kontrollierten Gebieten verhindert, verletzt Grundregeln des humanitären Völkerrechts", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Freitag in Göttingen. Die Menschenrechtsorganisation forderte den Weltsicherheitsrat auf, den Konfliktparteien in Süd-Kordofan Sanktionen anzudrohen, wenn sie nicht unverzüglich den Zugang für humanitäre Helfer zur Zivilbevölkerung sicherstellten.

Sudan nutzt Hunger als Kriegswaffe und wird trotzdem in den Wirtschafts-und Sozialrat der UN gewählt  
Scharf kritisierte die GfbV, dass der Sudan gestern von der Vollversammlung der Vereinten Nationen für drei Jahre als Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrats der UN gewählt wurde. "Es ist ein Armutszeugnis für die UN, dass ein Land, das seine eigene Bevölkerung gezielt aushungert, mit 176 von 192 abgegebenen Stimmen in das höchste Gremium der UN zur Koordinierung der Flüchtlings- und Entwicklungsarbeit der Weltorganisation gewählt wird", erklärte Delius.

Hilfslieferungen zunichte gemacht
Regierung des Sudan hatte jede Hoffnung auf eine Einigung im seit Monaten währenden Streit um die Hilfslieferungen zunichte gemacht, als sie am letzten Dienstag ein angestrebtes Dreimächteabkommen für gescheitert erklärte. Unter Führung der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und Arabischen Liga hatten sich die Konfliktparteien am 5. August 2012 in einem Memorandum verpflichtet, innerhalb von 90 Tagen eine Einigung über noch offene Fragen zu den Hilfslieferungen zu erzielen. "Es ist verantwortungslos und ein Verbrechen an der eigenen Bevölkerung, diese Frist ungenutzt verstreichen zu lassen", erklärte Delius.

Sudanesische Regierung trägt Hauptschuld am Scheitern
"Die Hauptschuld für das Scheitern des Abkommens trägt die sudanesische Regierung, die bis heute leugnet, dass es eine humanitäre Katastrophe gibt. Zum wiederholten Mal hält die Regierung Bashir im Sudan die internationale Gemeinschaft zum Narren und spielt mit dem Überleben von hunderttausenden Zivilisten." Aber auch die SPLM-North nutzt den Streit politisch aus und engagiert sich nur halbherzig für ein Abkommen zur Regelung der humanitären Hilfe.

Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Süd-Kordofan im Juni 2011 und in der benachbarten Provinz Blauer Nil im September 2011 mussten rund 900.000 Menschen aus beiden Regionen fliehen oder sind von Kämpfen betroffen. Mehr als 200.000 Menschen flohen aus den Bürgerkriegsregionen in den benachbarten Südsudan und 38.000 suchten in Äthiopien Zuflucht.

weitere Informationen unter www.GfbV.de 
Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel. 0160/95671403