Freitag, 24. Juli 2015

AKWABA 2015 - Afrikanischer Kunstsalon

Zur Halbzeit der diesjährigen 7. AKWABA -  Afrika Tage in Nürnberg, die unter dem übergreifenden Thema „Westafrika“ stehen,  luden Monika Adele Camara, Leiterin des Africuko-Instituts in Nürnberg, und ihr Team zu einem Afrikanischen Kunstsalon ein. Höhepunkt des Themenabends im Naturhistorischen Museum war die Präsentation der Afrikanischen Webkunst als szenische Tanzaufführung zu passend ausgesuchter Musik.


Monika Camara, Leiterin AFRICUKO-Institut

Zur Einführung in das Thema Afrikanische Webkunst wurden ein Film über Bogolan gezeigt und ein Vortrag über Westafrikanische Textilien gehalten. Am Nachmittag nutzen Kinder die Gelegenheit zu weben. Der Webrahmen wurde von ihnen selbst aus kleinen Ästen und Zweigen hergestellt, mit Raphiabast umwickelt und danach ein breites goldfarbenes Band eingewoben. Die Ergebnisse fanden ihren Platz in der Ausstellung. Seltene Ausstellungsstücke von Boubous aus Nigeria, Handarbeiten aus Raphiabast und Stoffraritäten bezeugen die Vielfalt der westafrikanischen Handwerkskunst.


Handarbeit aus Raphiabast

Stoffgeschichten aus Segou

Sehr interessant war der Film über die Herstellung von Bogolanstoffen in Mali. Die geschäftige Stadt Segou am Nigerfluss zog schon immer Händler und Handwerker an und ist für seine Tonwaren berühmt.
Bogolan
Die Technik der Bogolanherstellung entsprang dem Zufall. Der Legende nach erlegte ein Jäger ein Tier und legte es auf seine Schultern. Nach Hause zurückgekehrt wollte seine Frau das lehmbeschmierte Hemd waschen, doch die Farbe blieb auf dem Baumwollstoff haften und das Tier hinterließ auf dem vorher gelben Hemd ein dunkles Muster. So entstand der erste Bogolan, das Tuch aus Schlamm, wie Bogolan auf Bambara übersetzt heißt. Bogolanstoff besteht aus hellen und dunklen Brauntönen, mit schwarzen und weißen Mustern. Die Frau malte die Muster ab und zeigte sie ihren Freundinnen. Sie begannen die von den Männern gewebten Stoffstreifen zu färben und weiter zu verarbeiten. Später wurden teilweise Schablonen eingesetzt, um die Muster zu aufzutragen, was die Arbeitszeit gegenüber den mit der Hand gemalten Mustern erheblich verkürzt.
Seit 1995 gibt es Frauenkooperativen zur Bogolanherstellung, heute arbeiten mehrere Ateliers zusammen und einige von ihnen präsentierten ihre Stoffe bei Ausstellungen in Köln oder Paris. Einige Ateliers beschäftigen bis zu 20 Mitarbeiter, um gegen die Arbeitslosigkeit anzukämpfen. Durch den Erfolg konnten zwei Geschäfte eröffnet und die Mitarbeiterzahl auf 50 erhöht werden.
Dank des innerafrikanischen Tourismus ist Bogolan wieder verstärkt gefragt und auch ausländische Touristen kaufen, besonders zum Musikfestival du Niger, Jacken, Hosen, Duftkissen, Tischdecken oder Wandbilder aus Bogolan.




Kente
Fadarong
Indigo



















Traditionelle Stoffe aus Westafrika

Daniel Kennedy Asante aus Ghana hielt einen sehr aufschlussreichen Vortrag über Farben, Muster und Vielzahl traditioneller Stoffe aus Westafrika. Dabei betonte er, dass für ihn der Webstuhl, ob er nun in Ghana oder in anderen Ländern Afrikas steht, an sich schon ein Kunstwerk ist und es ihm ein Anliegen ist, das Wissen der Handwerker und Künstler über die Stoffe und ihre Herstellung an die Jugend weiterzugeben.
Ursprünglich stammt Kente aus Ghana und Togo. Diese in Streifen gewebten Baumwollstoffe werden aneinandergenäht. Djerma und Haussa in Niger und Nigeria stellen 10 bis 20 cm breite Baumwollstreifen her, Khasa (Fulani) aus Mali schwere Decken. Von den Senufo aus Côte d’Ivoire kommen Korhogo-Stoffe, die Muster in Stempeltechnik zeigen.
Indigostoffe und Batiken sind allgemein in Westafrika verbreitet. Indigo geht auf die Farbe Blau zurück und die Muster werden mit der Batiktechnik in den Stoff gefärbt. Diese Art brachten die Holländer und Engländer im 19. Jahrhundert aus ihren Kolonien Indonesien („Java Wax Print“) und Indien nach Westafrika. Hier entwickelten die Handwerker ihre eigenen Farbkombinationen und Muster, die teilweise Botschaften tragen.
Kente ist ein Wort der Akansprache und heißt Korb, da das Herstellen an Korbflechterei erinnert.
Die Ewe haben das Kenten erfunden und es den Ashanti gezeigt, wobei die Ashanti dasselbe von sich behaupten. Der Legende nach hat ein Jäger im Wald beobachtet wie Spinnen ihr Netz weben und dies zum Vorbild genommen. Es gibt 400 Muster und alle 12 Grundfarben haben eine Bedeutung. Blau des Himmels steht für Harmonie, Glück und Liebe, Grün für die Pflanzen, Wachstum und Gesundheit, das Silber des Mondes für Ruhe, Reinheit und Freude und Rotbraun oder Weinrot für die Muttererde, Heilung und Schutz vor allem Bösen, um nur einige zu nennen. Die Herstellung von Kentestoff wird heute an Studenten vermittelt, so dass das alte Wissen nicht weiter verloren geht.
Eine weitere Textilart ist Adinkra aus Ghana, der Stoff, der kommuniziert. Gewebte Baumwollstreifen werden aneinandergenäht und mit Stempeln in Drucktechnik kleine Muster aufgebracht, die Mitteilungen enthalten.


Tanzperformance

Tanzperformance mit Bogolan, Kente und Indigo

Höhepunkt war am Abend die Tanzperformance unter dem Feigenbaum im Atrium des Museums.  Monika Adele Camara, Kuratorin der Veranstaltung, und ihre Freunde trugen Kleider aus Bogolan, Fadarong, Kente und Indigo und präsentierten diese zu jeweils passender westafrikanischer Musik. Der König, würdig von Daniel Kennedy Asante dargestellt,  schlang gekonnt den 12 Meter langen Kentestoff um seinen Körper und schritt zum „goldfarbenen Thronsessel“. Sein „Volk“ verneigte sich vor ihm und sogar das Wetter huldigte dem König, denn nach etlichen Gewitterschauern, blieb es am Abend ruhig und angenehm warm.

Tina zeigt Batik
Monika zeigt Indigo
     



















König im Kenteornat


Nur schade, dass dieser gelungene und schöne Abend so wenig Zuschauer anzog. Es ist zu hoffen, dass nächstes Jahr dieser attraktive Programmpunkt der Akwaba-Wochen mehr Interessenten findet.


© Bilder und Text: Birgit Agada

Donnerstag, 9. April 2015

Der Löwenflüsterer bei ServusTV

Der Löwenflüsterer © OutsideFilm

Kevin Richardson „Der Löwenflüsterer“

FreeTV-Premiere am Mittwoch, 13. Mai 2015 ab 21.15 Uhr  bei ServusTV

Er ist seit Jahren anerkanntes Mitglied eines Löwenrudels. In einem privaten Wildpark in der Nähe von Johannesburg darf er in ihrer Mitte schlafen, mit ihnen raufen und spielen. Es hat Jahre gedauert, bis ihn die Löwen als Teil ihres Rudels akzeptiert haben. Alles, was er über die Verhaltensweisen und Umgänge mit den Großkatzen heute weiß, hat er sich selbst beigebracht und dabei jede Sicherheitsregel gebrochen, um mit den Tieren in Kontakt zu treten. Im Gegensatz zu Stock, Käfig und Ketten verwendet er Liebe, Vertrauen und Verständnis, um eine Beziehung zu den wilden Tieren aufzubauen. Daraus haben sich enge Verbindungen ergeben, die bereits über Jahre Bestand haben.

Liebe, Vertrauen, Verständnis

Kevin Richardson versucht stets den individuellen Charakter einer Großkatze zu erkennen: Was macht sie wütend? Was macht sie glücklich? Wann ist sie verwirrt? Wie eine Mutter, die die Bedürfnisse ihrer Kinder erkennt, nimmt Kevin Richardson die Bedürfnisse der Löwen wahr und wird deshalb von ihnen akzeptiert. Sein außergewöhnliches Verhältnis zu den faszinierenden und zugleich gefährlichen Raubtieren, das er seit über 15 Jahren pflegt, hat Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Den Erhalt und die Versorgung der eigenen Löwen finanziert er durch Eigenmittel, Spenden, freiwillige Helfer und Filmproduktionen. Neben den Löwen kümmert er sich außerdem noch um Panther und Hyänen.

Illegaler Jagdtourismus und Trophäenhandel in Südafrika

Der illegale Jagdtourismus in Südafrika boomt. Jährlich werden über 1000 Trophäen außer Landes gebracht. Gleichzeitig ist die Löwenpopulation in freier Wildbahn um 80% eingebrochen. Kevin Richardson konnte durch das große Interesse an seiner Arbeit auf die Bedrohung der Wildkatzen durch Jäger und Wilderer aufmerksam machen. „Wenn es so weitergeht, wie bisher, dann wird es bis 2030 keine Löwen in freier Wildbahn mehr geben“, warnt er eindringlich. Um die skrupellosen Machenschaften von Löwen-Zuchtanlagen aufzudecken, schleust er sich sogar, getarnt als Tourist, ein und spricht mit Angestellten: „Viele Touristen glauben, sie unterstützen den Artenschutz, wenn sie Löwenbabys streicheln – Das stimmt nicht.“ Der Löwenflüsterer kämpft seit Jahren für den Erhalt der gefährdeten Löwen-Populationen in Südafrika.

Richardson warnt: Bis 2030 keine Löwen in freier Wildbahn

Die Dokumentation zeigt atemberaubende Einblicke in diese außergewöhnliche Beziehung zwischen Mensch und Löwe und begleitet Kevin Richardson bei seinem unerbittlichem Kampf in Südafrika, wo diese majestätischen Tiere, die Könige der Savanne, die niemand besser kennt als er, auf seinen Schutz angewiesen sind.

Mittwoch, 13. Mai ab 21.15 Uhr  ServusTV
Kevin Richardson „Der Löwenflüsterer“
Wer sich für Afrika und die Tierwelt interessiert sollte diese Dokumentation nicht verpassen.


Donnerstag, 5. März 2015

AFRIKA - DAS MAGISCHE KÖNIGREICH

Afrika ist mal wieder Thema im Kino. Heute, 5. März ist Premiere, u.a. in Nürnberg im Cinecitta-Kino am Gewerbeplatz 3.

Afrika, das sind 54 Länder in denen Millionen von Menschen leben. Leider finden Menschen in diesem Film keine Beachtung. Wie so oft, wenn es um Afrika geht, werden die Menschen ausgeblendet. Vergessen wird dabei, dass die Menschheit in Afrika, im südlichen Afrika entstanden ist. Diese Menschen sprechen etwa 2000 Sprachen von ehemals 6000 Sprachen auf dem ganzen Kontinent. Die Menschen entwickeln den Kontinent, sie haben Königreiche und später Staaten geschaffen. Hochkulturen entstanden in Zimbabwe, Äthiopien, Gana, Mali, Ägypten. Leider wurde die natürliche Entwicklung dieser Menschen und Länder durch die Schäden blockiert, die die Kolonialmächte bis heute angerichtet haben  - Monokultur, Raubbau, Ausbeutung von Bodenschätzen, Sklaverei. Diese Länder spielen auch heute noch eine ungute Rolle in Afrika: Frankreich, Großbritannien, USA, Russland, Indien, China. Diese Tatsachen werden in diesem Film einmal mehr nicht gezeigt.

AFRIKA - Natur, Kraft, Abenteuer

Der Film beginnt in Gabun und Ruanda mit Bildern von bedrohten Berggorillas. Tausende Flamingos spazieren am Ufer großer Seen entlang.
Unbändige Natur wird mit Bildern von glühender Magma in brodelnden Vulkanen gezeigt.

AFRIKA - Wüsten - Tiere

Die Namib und die Kalahari sind Beispiele von Wüsten im südlichen Afrika, die größte Wüste Sahara fehlt. In den Wüsten überleben Elefanten, Chamäleons, Schlangen mit erstaunlichen Tricks um Wasser zu sparen.

AFRIKA - Wasser, Berge

Man glaubt es kaum, aber Afrika ist nicht nur der öde Kontinent, es gibt mächtige Flüsse wie den Nil, Niger, Kongo und im südlichen Afrika den Sambesi. Große Seen wie den Tchad- Tanganjika-, Malawi- und Victoria-See mit seinen berühmten Wasserfällen Mosi oa Tunya, regeln, neben den Regenwäldern den Wasserhaushalt nördlich und südlich des Äquators.
Schnee liegt immer noch auf dem Kilimanjaro, Mount Kenya oder dem Toubkal in Marokko, aber weniger als früher, der Klimawandel macht sich auch in Afrika bemerkbar.

Constantin - Film schreibt dazu:
"AFRIKA – DAS MAGISCHE KÖNIGREICH ist eine spektakuläre Reise für die ganze Familie, ein magisches Naturerlebnis, das unter die Haut geht. Modernste Kameratechnik und großartige Aufnahmen machen AFRIKA – DAS MAGISCHE KÖNIGREICH zu einem faszinierenden Abenteuer, das die Zuschauer aus ihrer grauen Alltagsrealität in eine Welt voller leuchtender Farben und Lebendigkeit entführt und sie die Wunder unserer Erde so intensiv wie nie zuvor erleben lässt.

Kommentiert von Christian Brückner als „Stimme der Natur“ führt der Film durch sieben unterschiedliche Regionen Afrikas, die jede für sich durch ihre Einzigartigkeit und Vielfalt ihrer Flora und Fauna verblüfft.."

Gute Unterhaltung und ein bisschen Nachdenken ist erwünscht.



Frauen vor Gewalt schützen

Zum Internationaler Frauentag am 8. März fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker auf:

Deutschland soll den Schutz von Frauen im Krieg zum Leitmotto seiner G 7-Präsidentschaft machen


Zum Internationalen Frauentag hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die deutsche Bundesregierung aufgefordert, den Schutz von Frauen vor Gewalt im Krieg zu einem Leitmotto seiner G 7-Präsidentschaft zu machen. „Die anhaltende Gewalt gegen Frauen und Mädchen in bewaffneten
Konflikten im Irak, in der Ost-Ukraine, Darfur, Südsudan, Kongo, Nigeria, Mali, Indien und Burma zeigt, dass Frauen noch immer wenig Schutz in Kriegsgebieten bekommen“, erklärte die GfbV am Donnerstag in
Göttingen. „Wir erwarten, dass sich die deutsche Bundesregierung während ihrer G 7-Präsidentschaft mehr für die Rechte von Frauen in bewaffneten Konflikten einsetzt. Denn die Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates wurde zwar vor 15 Jahren verabschiedet, aber bis heute nicht umgesetzt.“

15 Jahre UN-Resolution 1325 - Schutz von Frauen vor Gewalt im Krieg

Die am 31. Oktober 2000 im Weltsicherheitsrat verabschiedete Resolution
1325 sieht eine konsequente Strafverfolgung von Kriegsverbrechen an
Frauen, ihren besseren Schutz in Konfliktregionen und ihre stärkere
Beteiligung an Friedensverhandlungen und Wiederaufbau vor.

 Keine deutsche Initiativen gegen sexualisierter Gewalt in Konflikten

Großbritannien, das bis vor kurzem die G 7-Präsidentschaft hatte, engagierte sich vorbildlich für ein Ende sexualisierter Gewalt in Konflikten. So organisierte die britische Regierung im Juni 2014 ein weltweites Gipfeltreffen zum Stopp sexualisierter Gewalt in Konflikten. Die US-Schauspielerin Angelina Jolie erregte mit ihren engagierten Plädoyers auf der Konferenz weltweite Aufmerksamkeit. „Auch Deutschland
unterzeichnete den auf der Konferenz verabschiedeten Aktionsplan, doch wir vermissen bis heute konkrete deutsche Initiativen zu seiner Umsetzung“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius.
Dabei brauchen mehrere zehntausend Opfer sexualisierter Gewalt im Irak, in der Ost-Ukraine, in Darfur, Südsudan, Kongo, Mali und Nigeria dringend mehr therapeutische Hilfe, um die traumatischen Erlebnisse zu
verarbeiten. In keiner dieser Konfliktregionen werden Frauen an der Suche nach Frieden maßgeblich beteiligt, obwohl diese Friedensprozesse zum Teil unmittelbar von Deutschland gefördert werden.

Keine Gerechtigkeit für Opfer sexueller Gewalt

Bei Strafverfolgungsbehörden, Polizei und Gerichten bekommen die Opfer sexualisierter Gewalt noch immer keine Gerechtigkeit. Gute Partner Deutschlands, wie der Sudan, verleumden die Opfer der Gewalt, verweigern eine juristische Aufarbeitung der Verbrechen und inhaftieren Kritiker, die die Kriegsverbrechen anprangern. „Wer die UN-Resolution 1325 und den Aktionsplan des Londoner Gipfels im Jahr 2014 mitträgt, darf nicht dazu schweigen, sondern muss sich konsequent für die Rechte von Frauen und
Mädchen im Krieg einsetzen“, erklärte Delius.

7-jährige Mädchen von Boko Haram missbraucht

Besonders dramatisch sind die Menschenrechtsverletzungen in Nigeria, wo Mädchen ab dem Alter von 7 Jahren von der Terrorgruppe Boko Haram als Selbstmordattentäterinnen missbraucht werden. Aber auch die Extremisten des „Islamischen Staates“ verschleppten und missbrauchten hunderte yezidische Frauen im Irak. Im Bürgerkrieg gegen die maoistischen Naxaliten in Indien sowie bei den Konflikten in Minderheitenregionen im benachbarten Burma werden ebenfalls regelmäßig Frauen Opfer gezielter
Übergriffe.

Informationen dazu gibt Ulrich Delius Tel. 0160/95671403